Montag, 15. Dezember 2014

Wie aus 3 geplanten 7 reale Löcher geworden sind...

So, hier bin ich wieder. Zurück aus Berlin, zugedröhnt und nicht wirklich entspannt um den Bauch herum...
Angesagt war ja, dass man die Reparatur mit 3 kleinen Löchern minimalinvasiv machen wollte. Zur Erinnerung: Vor fast 3 Jahren wurde ja da an Bauch rumoperiert und vermutlich infolge übermäßiger sportlicher Belastung oder wegen der übermäßig vegetarischen Ernährung oder einfach wegen des ungünstigen Schicksals oder auch einen gestörten Karmas hat die Naht sich in ihre Bestandteile aufgelöst. Die Naht war zum Schluß also ein Loch mit Muskeln drumherum. Und im Nachhinein, also in der operativen Phase quasi, zeigt sich, dass nicht nur die 5 cm links vom Bauchnabel, sondern das ganze Nahtwerk hoch und runter und querrüber gerissen war. Also war nix mit 3 Löchern. Daraus wurden dann halt 2 mal 3 Löcher und eine satte, A4-große Netzmatte im Bauch, sauber verbastelt zwischen der Muskelschicht und wer weiß, was da sonst noch so drin war. Unglaublich. Ich stell mir das ja so vor, als würde man  bei einem Auto die Kerzen  bei geschlossener Motorhaube wechseln wollen.
Ja, von der Vorbereitung bis zur finalen Dröhnung vergingen 2 1/2 Stunden. Und dass auf der Nebenanpritsche ein Kollege lag, der mir mit seinen Sprüchen  fast die Tränen in die Augen trieb, hätte ich ja nicht erwartet. Aber er und die Schwester haben Dialoge in Standup-Comedy-Qualität abgesondert. Es war unglaublich.
Nun ja, die nächste Stunden kenne ich wieder nur vom Hörensagen. Also, irgenwie muss das mit der Zeitreise so verlaufen: Man ist einfach weg und ist schwupps eine Sekunde später ist man in der Zukunft. Aber die Nebenwirkungen, die Neeeebenwirkungen.... Ich glaub, an dem Verfahren  muss man wohl noch arbeiten.
Und man sieht hinterher irgendwie so aus:


Na, wenigstens bin ich nur ein paar Etagen weiter oben wieder von der Tour gelandet. Besser als als 20 Jahre früher in Wanne Eickel oder so... Und man beachte das Design des Zeitreise-Shirts...
Nun ja, wie immer gab es eine gute und eine, ach was, ne ganze Hand voll schlechter Nachrichten im Nachgang. Wie meistens zuerst die Gute: Der Eingriff konnte maximal-minimal-invasiv gemacht werden. Minimalinvasiv, weil wir nur durch ein kleines Loch in den Bauch gehen, maximal, weil wir davon dann doch 7 am Stück benötigt haben. Schlechte Nachricht Nummer ein hingegen sagt: Das ist ne ziemlich große Wunde IM Bauch geworden und die wird -> schlechte Nachricht Nummer 2: heftig und lange weh tun. Ursache dafür ist -> schlechte Nachricht Nummer 3: der Zustand der alten Nähte von 2012. Diese sind einfach  nur noch da und haben kaum noch ein tragende Rolle.
Nun ja, das ist ja nun alles soweit repariert worden und damit sollte dieses Problem der Vergangenheit angehören.
Ach so, schlechte Nachricht Nummer 4 hab ich vergessen: "Herr Schäfer, wenn Sie dann nachher auf die Toilette gehen..." "Bitte wenn ich was tue?" "...wenn sie auf die Toilette GEHEN, klingeln sie bitte, damit wir Ihnen helfen können...!" In mir macht sich Resignation breit, sie meint es ernst, die nette, blonde Schwester. Spontan muss ich an Steven Spielbergs denken. "Misery" erscheint in  meinem Kopf. Tja, dann wollen wir mal gepflegt resignieren. Andererseits, die OP ist ja schon 6 Stunden her, ist doch gut, wenn ich gefordert werde. Jetzt verstehe ich, was "Fördern durch fordern" wirklich bedeuten kann.
Immerhin habe ich noch Besuch, es gibt ein wenig Aufmunterung und ich ziehe endliche
DAS T-Shirt 
an:


Das garantiert für die nächsten Tage interessierte Blicke... Danke, liebreizendes Töchterlein!
Tja, damit ist der Tag 1 dann irgendwie auch schon vorbei. Ich kann erstaunlicherweise einigermaßen gut schlafen und weiter geht es mit dem Wundern.
Ich wache auf (also, nochmal: ich wache auf und werde nicht brutal geweckt), gucke interessiert in der Gegend rum und bin verwirrt. OK, bin ich desöfteren, aber dieses Mal ganz besonders. Ein vorsichter Blick auf die Uhr, es ist irgendwie um 7 Uhr herum, und es passiert nichts. Ok, die haben  mich vergessen. Na ja, auch nicht so schlimm, ich hab Wasser, Tabletten, ein Tablett-PC und traraaaa: kostenfreies WLAN. Kurz gecheckt, ob das eventuell doch ein Traum war, aber nein, ich  bin im Internet. Unglaublich. Jetzt erinnere ich mich daran, dass Töchterlein gestern da noch irgendwas gelesen hat und ich wohl gestern schon mal das Internet angetestet haben muss. Also nicht nur verwirrt, sondern auch noch vergesslich. Das kann ja was werden.
Endlich tut sich draußen was, die Tür geht aus und das Morgenprocedere beginnt. Alle möglichen Dinge erfragen, messen, aufschreiben und zum Schluss noch die Hinweise auf Frühstücksbuffet (?!?!?!?) und der Dr. X, der noch reinschauen will. Das  mit dem Buffet kann ich so nicht gelten lassen und kann einen Roomservice herausdiskutieren. Der kommt auch kurze Zeit später und ich ordere Brötchen, Wurst, Käse und: KAFFEE!
Dann kommt der Doc, kurzes, freundliches Gespräch, nochmal erklärt, was gemacht wurde, dass die Schmerzen normal sind und der Wunsch nach viel Spaß am: BUFFET... ICH GEBS AUF!
Dann kommt das Frühstück, ich überlege, ob ich den 40 Zoll-Monitor im Zimmer benutze, lasse es sein und dämmere so vor mich  hin. Irgendwann kommt jemand und fragt, was es denn zum Mittag sein dürfe und ich ordere Zanderfilet. Das kommt dann des Mittags auch und ich  bin platt. Das essen ist heiß, sieht lecker aus und schmeckt noch besser. Kurze Notiz an den gelben Zettel im Kopf geschickt: Nachfragen, ob aus Versehen als Privatpatient geführt! So langam verliere ich meinen Glauben an das Schlechte in dieser Welt. Eigentlich konnte dieser Tag nur noch schlechter werden... Wie recht ich haben sollte...



Irgenwann Nachmittags meldet sich der Verdauungstrakt und ich gehe NOT-gedrungen aufs Klo. Dass mich dort eine beheizte Klobrille und ein Kärcher für den Unterboden erwarten, irritiert mich jetzt schon nicht mehr. Was solls...
Ich höre draußen ein bekannte Stimme... Eine gute Freundin kommt zu Besuch. Na denn wolln wa mal... Und schaffe es gerade bis zum Bett. Der Kreislauf versteckt sich im Bad und ich  komme ohne am Bett an. Soweit ich mich erinnern kann, sind einige Leute im Zimmer. Ich will mich mehr oder weniger tapfer in mein Bett kippen lassen und begreife schlagartig, was eine 10 auf der Schmerzskala bedeutet. Ich glaub, die Nadel pegelt sich  kurz bei elf ein und verharrt danach konstant bei 8 oder 9. Das begreifen auch die Schwestern und holen der Doc. Der gibt kurzentschlossen einige nette Drogen frei, die Schwestern stöpseln in Windeseile an und ich bekomme wieder Luft. Details dazu kann euch Manu bestimmt besser berichten. Nach ein paar Minuten höre ich auf zu zittern und tunnele wieder ins Geschehen zurück. Scheiß Zeitreise... Ich glaube, damit war der Tag dann auch irgendwie zu Ende und später erlösen mich BAYER und der Schlaf...




Kommentare:

  1. Mannnomannn, was machst du denn da für Sachen?? Voll auf Drogen und zugetackert. Aber wenn sie das minimalinvasiv machen kommen sie doch mit dem Leitz-Tacker nicht durchs Loch, also doch eher Laser? Scheinbar hatten die beim ersten Mal den Strahl auf voll Pulle gestellt, oder die falsche Farbfrequenz gewählt, die nicht zu deiner Bauchhöhle passte. Hoffentlich hat das diesmal besser geklappt, damit du nicht intern ausläufst. Das wäre sch…lecht. Lass es erst mal ruhig angehen, damit die neuen Nähte halten. Also jegliches Lachen vermeiden – auch das schmerzverzerrte Gesicht ruhig halten.
    Mosquito-Grillen war gut. Heisse Suppe und viel Fleisch vom Grill, bis in den Abend hinein von oben fast trocken und ohne steife Briese. Beim nächsten Mal bist du wieder dabei und wir beide essen die magenschonenden Sachen… Ich hoffe du bist Weihnachten zu hause und nicht auf Station!!
    Halt die Ohren steif mme

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  2. Nö, nix mit Laser. Klitzekliene Kneifzangen, Scheren und Nadeln, vermute ich. Und von außen ist auch nix getackert worden.
    Und wie gesagt, ich bin seit 13.12. zu Hause und kann mein schmerzverzerrtes Gesicht vor der Öffentlichkeit verbergen :-)
    Ja, Dir dann auch ein megenschonendes Weihnachten und wir sehn uns im kommenden Jahr. Leg schon mal ein paar Bountys bereit!

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    1. Momentan liegen ein paar Snickers bereit. Musst dich beeilen mit dem Zurückkommen. Aber ich find schon was wenn die alle sind...
      Na wenigstens bist du zuhause. Ich hoffe du reizt die Schmerzskala nicht wieder voll aus. Du musst ja neulich ein paar völlig neue und unbekannte Galaxien entdeckt haben… Kannst mir demnächst vom Formen- und Farbenspiel berichten. mme

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  3. Na na, das klingt ja nach nem Haufen Spaß... Dabei haben wir dir doch fast immer flache Sachen kredenzt (Steak, Pizza, platte Wattmuscheln...) Wenn du in einem beliebigen Jahr n.Z. (nach Zeitreise) wieder in den Westen kommst, werden wir die nahtschonende Flachdiät fortsetzen. Gutes Bessern und hübsche Holidays! Suse

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  4. Nun ja, das könnte ne Muschelschale gewesen sein, die da hochkant im Bauch stand und alles zerbröselt hat... Das Forstsetzen der Flachbauchdiät, ähm Flachspeisendiät nehm ich gerne an!

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  5. Lieber Peter,

    armer Kerl, musst ja eine Menge durchleiden und das auch noch zu Weihnachten.

    Ich wünsch Dir jedenfalls "Gute Besserung" + ein schönen Weihnachtsfest zuhause und ebenso einen "Guten Rutsch ins neue Jahr" im Kreise Deiner Familie.

    Lieben Gruß

    Erich aus Köln

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